Studienabbruch an der Universität Mannheim (2009)

Zusammenfassung

Dem Staat, der Universität und auch den Studierenden entstehen durch Studienabbruch jährlich erhebliche Kosten. Daher ist es bei der Frage nach der wahrgenommenen Güte der Lehr- und Studienbedingungen lohnenswert, neben Studierenden und Absolventen auch jene Personen zu Wort kommen zu lassen, die ihr Hochschulstudium ohne Abschluss aufgegeben haben.

In diesem Zusammenhang hat die Universität Mannheim 445 ihrer ehemaligen Bachelorstudierenden, die die Universität ohne Abschluss verlassen haben, zu ihren Erfahrungen rund um das Studium befragt. Hauptanliegen war es, Beweggründe und Bedingungen zu erheben, die mit der Studienaufgabe in Zusammenhang stehen. Das damit verfolgte Ziel ist es, herauszufinden, an welchen Punkten anzusetzen wäre, um die Bleibequote weiter zu erhöhen.

Die Relevanz des Themas ergibt sich bei Betrachtung der aktuellen Abbrecherquoten in den Bachelorstudiengängen. An der Universität Mannheim liegen sie nach sechs Semestern Regelstudienzeit z.B. bei 18,5 Prozent im Fach Betriebswirtschaftslehre, bei ca. 39 Prozent in der Volkswirtschaftslehre und bei rund 57 Prozent in der Wirtschaftsinformatik. Die Wirtschaftspädagogik (Bachelorstudiengang im Herbst-/Wintersemester 2007/08 eingeführt) weist nach vier Semestern Laufzeit rund 38 Prozent vorzeitig Exmatrikulierte auf.

Der Blick auf Untersuchungen anderer Hochschulen und Institutionen (z.B. HIS) zeigt, dass Studienabbruch in der Regel das Ergebnis eines Bündels von Motiven ist. An erster Stelle rangieren dabei mit dem Studienfach verbundene Probleme. So lässt sich ein Großteil der vorzeitigen Abgänge auf Diskrepan­zen zwischen ursprünglichen Erwartungen und erlebter Realität im gewählten Fach zurückführen. In enger Verbindung dazu steht die berufliche oder akademische Neuorientierung in Folge mangelnden Interesses am Studienfach. Als weiteres deutliches Motiv kristallisieren sich als unzulänglich wahrge­nommene Studienbedingungen heraus. Dahinter verbergen sich in aller Regel eine als übermäßig beanspruchend erlebte Studien- und Prüfungsorganisation, fehlende Wahl- oder Vertiefungsmöglichkeiten, nicht zufriedenstellende Betreuungsleistungen bzw. Lehr- und Lernbedingungen. Regelmäßig angeführt werden eine geringe Praxisnähe und unsichere Zukunftsaussichten auf dem Arbeitsmarkt. Diese Probleme spielen jedoch ebenso wie familiäre oder finanzielle Gründe in allen Studien eine untergeordnete Rolle.

Die Ergebnisse der Abbrecherstudie stützen in Teilen die Befunde der Untersuchungen anderer Hochschulen. Auch an der Universität Mannheim zeigt sich als wichtigster Grund für das vorzeitige Verlassen der Universität die Wahl eines mit den eigenen Interessen und Vorstellungen zu wenig übereinstimmenden Studienfachs. Unzufriedenheit mit den Studienbedingungen in Zusammenhang mit der Prüfungsorganisation oder zu hohe Studienanforderungen werden auch von den Mannheimer Befragten als relevante Abbruchgründe genannt. Die Betreuung und die Beratung werden aber mehrheitlich sehr positiv bewertet. Familiäre oder finanzielle Gründe spielen – wie auch in den Ergebnissen anderer Studien – nur eine geringe Rolle bei der Entscheidung. Die Zukunftsaussichten am Arbeitsmarkt erweisen sich zwar bei der Wahl des Studienortes als einflussreich, für das vorzeitige Verlassen der Universität sind sie aber wenig ausschlaggebend.

Insgesamt kristallisiert sich die Vorabinformation für Studieninteressierte als das zentrale Thema heraus: Den Ergebnissen ist zu entnehmen, dass sich die Mehrheit der Befragten (ca. 80 Prozent) zwar schon vor ihrem Studium an der Universität Mannheim informiert. Dennoch sind es die nicht erfüllten Erwartungen bezüglich des Studiengangs, mit denen das vorzeitige Verlassen der Universität am häufigsten begründet wird.

Eine wichtige Aufgabe für die Universität kann demnach darin gesehen werden, ein Konzept für eine effektive Beratung von Studieninteressierten zu entwickeln.

Hinweis: Den kompletten Bericht zur Abbrecherstudie 2009 erhalten Sie auf Anfrage bei der SQM.

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